Perspektivwechsel

Es gibt ein interessantes Interview mit Noam Chomsky über den Ukrainekrieg (https://www.pressenza.com/de/2022/03/noam-chomskys-blick-auf-die-ukraine/). Chomsky macht das, was Systemiker immer empfehlen: einen radikalen Perspektivwechsel. Er betrachtet das Geschehen radikal aus der Perspektive Russlands, und er zieht hochinteressante Vergleiche zwischen dem Verhalten der USA in früheren Kriegen und dem Verhalten Russlands in diesem Krieg. Man muss nicht alle„Perspektivwechsel“ weiterlesen

Geben und Nehmen

Geben und Nehmen gehört zu den schwierigsten Dingen im Leben. (Wie übrigens auch Reden und Hören.) Es klingt ganz leicht und selbstverständlich, und es bietet doch Stoff für große Verwicklungen und Verwirrungen. Menschen haben sehr unterschiedliche Begabungsschwerpunkte beim Geben und Nehmen. – Manche Menschen sind gut im Geben. Sie sind großzügig, lassen andere teilhaben an„Geben und Nehmen“ weiterlesen

Eskalation oder Warum wir Teil des Konflikts sind

Was ist das für eine Dynamik, die jetzt zwischen Russland und dem Rest der Welt in Gang ist? In einem Versuch, das zu verstehen, greife ich auf systemisch-therapeutische Begriffe (I.) und auf systemtheoretisch-soziologische Begriffe (II.) zurück. Diese Denkweise habe ich u.a. von Fritz Simon gelernt (https://www.carl-auer.de/todliche-konflikte) und auch hier schon angewandt: https://familienknatsch.blog/2022/02/25/russland-und-die-nato/. I.  Symmetrische und„Eskalation oder Warum wir Teil des Konflikts sind“ weiterlesen

The End

Wie soll dieser Krieg enden? Das ist eine Frage, die sich die Welt jetzt stellen muss – die Ukrainer, aber auch die westlichen Unterstützer, Entscheider, Ratgeber. Die basale Einsicht hierzu ist (hier könnte ich ungefähr tausend Belegstellen aus der kriegstheoretischen Literatur anführen): Kriege müssen vom Verlierer beendet werden. In so gut wie allen Fällen. Ein„The End“ weiterlesen

Die wahren Helden

Ein großer Fortschritt des 20. Jahrhunderts ist es, dass Krieg vorrangig aus der Perspektive der Zivilisten gesehen wird, also aus der Perspektive der Opfer, die ihn erleiden, nicht der politischen Akteure, die ihn führen. Das Wort „Krieg“ heißt für uns vor allem: Leid, Zerstörung, Tod, Verlust, Angst, Hunger, Elend und Entsetzen. Das war nicht immer„Die wahren Helden“ weiterlesen

Zweierlei Maß – Wie wir mit Flüchtlingen umgehen und warum es trotzdem ein Fortschritt ist

Nun hat sich die EU also bereit erklärt hat, viele Millionen ukrainische Flüchtlinge aufzunehmen, schnell und unbürokratisch. Das ist beruhigend und erschreckend zugleich.  Denn: Wie bitter ist das für die Syrer und Afghanen, die seit Jahren in griechischen oder türkischen Elendslagern sitzen, die wochenlang vor geschlossenen Grenzen campen oder auf Inseln festsitzen, weil wir ihnen„Zweierlei Maß – Wie wir mit Flüchtlingen umgehen und warum es trotzdem ein Fortschritt ist“ weiterlesen

#EndWar, #OutwaitPutin

#EndWar und #StopPutin sind Hashtags und Transparente, die in den letzten Tagen oft nebeneinander zu sehen waren. Ich wage es kaum zu sagen, aber ich glaube, wir müssen uns fragen, ob diese beiden Dinge kongruent gehen. #StopPutin heißt derzeit: #EscalateWar. Die Ukraine eskaliert in Richtung Volksaufstand oder Partisanenkrieg, Bewaffnung der Zivilbevölkerung, während Putin in Richtung„#EndWar, #OutwaitPutin“ weiterlesen

Die Vernunft sitzt im Militär

Jetzt sind also die russischen Atomstreitkräfte aktiviert, und der Wahnsinn hat sich eine Schleife weitergedreht. Aber auch abgesehen davon, dass es immer noch sehr unwahrscheinlich ist, dass Putin wirklich einen Atomschlag befiehlt: Es ist gut möglich, dass, wenn er einen Atomschlag befehlen würde, sein Militär ihn nicht ausführen würde. Offiziere sind in der Regel vernünftige„Die Vernunft sitzt im Militär“ weiterlesen

Wie es in der Seele von Großmächten aussieht

Es gibt nichts, womit Putins Angriffskrieg gerechtfertigt werden kann. Aber es ist nützlich, ein bisschen etwas darüber zu wissen, wie es in der „Seele“ von Großmächten aussieht. In der Innenperspektive sind Großmächte sehr verwundbare Wesen, sie sind leicht „gekränkt“, und zwar aus strukturellen Gründen – also nicht (nur) aus individueller Paranoia, sondern auch aus Gründen,„Wie es in der Seele von Großmächten aussieht“ weiterlesen

Russland und die NATO

Aus gegebenem Anlass heute eine Überlegung zum Verhältnis zwischen Russland und der NATO. Dieses Verhältnis hat Parallelen zu manchen Problemen, die aus der Arbeit mit Paaren bekannt sind. Diese Parallele zu ziehen, ist auch keineswegs abstrus, sondern ist in der konflikttheoretischen Literatur gut etabliert. Paarbeziehungen und internationale Systeme sind beides Systeme, manchmal Zweiersysteme, und die„Russland und die NATO“ weiterlesen